Logopädie

Dyslalie

Unter einer Dyslalie versteht man Artikulationsstörungen, die mit Fehlbildungen oder Auslassungen von Lauten einhergehen. Dies kann durch artikulationsmotorische Schwierigkeiten (phonetische Störung) auftreten, wobei es dem Kind noch nicht möglich ist, den korrekten Bewegungsablauf durchzuführen. Oder aber dem Kind gelingt es nicht, den Laut an die richtige Postion im Wort zu setzen, obwohl es motorisch dazu in der Lage ist (phonologische Störung).

Ziel der Therapie ist es, durch Wahrnehmungsübungen der richtigen bzw. abweichenden Artikulation, durch Anbahnung des korrekten Lautmusters, durch Festigung auf Laut, - Silben, - Wort -und Satzebene die Artikulation so zu verbessern, dass der betroffene Laut in der spontanen Sprache angewendet werden kann. Im Bereich der phonetischen Störung werden für den fehlgebildeten Laut gezielte mundmotorische Übungen durchgeführt.

Dysgrammatismus

Dysgrammatismus ist eine Sprachentwicklungsstörung, bei der Kinder nicht in der Lage sind, Sätze  grammtikalisch korrekt zu bilden. Dies zeigt sich z.B. durch Auslassen von Wörtern ( z.B. Artikel oder Präpositionen), durch falschen Gebrauch der Artikel, Schwierigkeiten mit der Pluralbildung ( "Ein Herze, viele Herze"), falsche Anwendung des Dativs oder Akkusativs ( "Der Teddy ist unter den Tisch" oder " Der Sänger braucht den Mikrofon.") oder durch eine gestörte Wortfolge im Satz ("Lukas Schuhe anzieht."). Ursachen können u.a. ungenügender/fehlerhafter sprachlicher Input, gestörte geistige Fähigkeiten, Hörstörungen oder Störungen im Bereich des Gehrins sein.

In der Therapie wird die Vermittlung der grammatischen Regeln spielerisch erarbeitet, in dem der Therapeut das Kind mit sprachlichen Strukturen konfrontiert, wobei der Therapeut als Modell dient.

Störungen des Wortschatzes

Kinder, die Störungen im Wortschatz aufweisen, können sowohl Probleme beim Verstehen, als auch bei der Produktion von Wörtern haben. Dies zeigt sich u.a. dadurch, dass dem Kind für die Kommunikation wichtige Nomen (z.B. Katze oder Maus), Verben (springen oder laufen) oder Adjektive (heiß oder klein) fehlen, der Zusammenhang bestimmter Wörter nicht gegeben ist (z.B. Stuhl und Tisch dem Begriff Möbel zuzuordnen) oder Wortfindungsstörungen auftreten, in dem sich das Kind lautlich langsam annähert ( z.B. Telelon statt Telefon).

Ziel der Therapie ist es, das Kind eigentständig auf den Wortschatzaufbau vorzubereiten, in dem durch stetigen Input  von Wörtern der Wortschatz und das Sprachverständnis auf Wort, Satz -und Textebene gefestigt wird.

Sprachentwicklungsstörung (SES)/Sprachentwicklungsverzögerung (SEV)

Die SES ist eine nicht altersgemäße Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten. Es treten Defizite im Sprachverständnis, im Erwerb des Wortschatzes, bei der Bildung von Lauten und bei der Anwendung grammatikalischer Regeln auf. Bei einer SES sind meist mehrere Bereiche gleichzeitig betroffen. Oft wird diese durch eine Hörtsörung, Behinderung oder langanhaltenden Mittelohrentzündung verursacht. Die Sprachentwicklung kann bis zu 2 Jahren verzögert sein.

Bei einer SEV zeigt sich eine leichte Verzögerung der Sprachentwicklung von ca. einem halben Jahr.

Die Therapie mit dem Kind erfolgt entweder indirekt, d.h. im Spiel, ohne, dass sich das Kind seiner Störung bewußt ist, oder direkt, d.h. das Kind arbeitet bewußt mit. Oft wird die direkte mit der indirekten Methode verknüpft.

Myofunktionelle Störung

Unter einer myofunktionellen Störung versteht man ein Muskelungleichgewicht im Bereich der Zunge, Lippen und Wangen. Die Betroffenen zeigen meist einen unvollständigen Mundschluss, vermehrten Speichelfluss, eine falsche Zungenruhelage und/oder eine Vorverlagerung der Zunge beim Sprechen und Schlucken. Daraus resultierend kann eine Zahn- und Kieferfehlstellung, eine verwaschene Aussprache und/ oder eine Artikulationsstörung der Laute /s/ bzw. /sch/ entstehen. Als mögliche Ursachen können cerebrale Bewegungsstörungen, eine falsche Zahn- und Kieferstellung, ein falsch erlerntes Schluckmuster, eine falsche Kopf- und Körperhaltung, die Fütterung mit zu großem Saugerloch oder falsche Angewohnheiten wie Daumenlutschen/Schnuller gesehen werden.

Ziele der Therapie sind die Anbahnung einer korrekten Zungenruhelage, Übungen zum Aufbau der Lippenspannung zum Mundschluss und zur Normalspannung im Gesichtsbereich, Angewöhnung der Nasenatmung und die Erarbeitung eines korrekten Schluckmusters.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Bei einer AVWS ist die Verarbeitung des Hörens gestört. Die Störung liegt im Bereich des Hörnervs, d.h. alle Hörreize aus der Umwelt können wahrgenommen, jedoch nicht verarbeitet werden. Die Betroffenen zeigen Schwierigkeiten in verschiedenen Bereichen, z.B. beim Behalten kurzfristiger Informationen, beim Herausfiltern bestimmter Hörreize (Ein vorbeifahrendes Auto wird genauso laut wahrgenommen, wie der Lehrer, der spricht.), beim Lokalisieren der Richtung und Entfernung der Schallquelle oder beim Unterscheiden von Lauten (z.B. Tanne-Kanne). Meist geht die AVWS mit Konzentraionsstörungen und Lese - Rechtschreibschwäche einher.

Mögliche Ursachen können sowohl ein Über - (langanhaltenes Fernsehen, parallele Gespräche zu Radio oder Fernsehen), als auch ein Unterangebot ( zu wenig Kommunikation mit dem Kind) sein. Auch langanhaltende Mittelohrentzündungen oder Hirnschädigungen können Gründe für eine AVWS sein. Eine Verzögerung der Sprachentwicklung kann daraus resultierend erfolgen.

Wichtig in der Therapie ist hierbei sowohl die Beratung der Eltern und Pädagogen, als auch die Arbeit an den einzelnen gestörten Bereichen (s.o.).

Stottern

Stottern ist eine Redeflussstörung, die durch häufige Unterbrechungen im Sprechablauf und durch Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern gekennzeichnet ist. Die Ursachen für das Stottern sind noch nicht genügend erforscht. Man geht davon aus, dass es eine genetische Veranlagung für das Stottern gibt. Bei einigen Kindern können auch bestimmte Lebensereignisse Stottern hervorrufen.

Bei jungen Kindern ist das Ziel der Therapie die Rückbildung des Stotterns zu begünstigen. Stottern im jungen Erwachsenenalter ist meist nicht mehr heilbar. Hier liegt der Schwerpunkt auf einem eigenständigen Umgang mit dem Stottern und der Verbesserung der Sprechflüssigkeit. Mit unterschiedlichen Übungen wird bei den Patienten entsprechend des Alters direkt am Stottern gearbeitet, z.B. durch eine Sprechtechnik, mit der Stotterereignisse kontrolliert bzw. verkürzt werden sollen.

Poltern

Polterer neigen im Gegensatz zum Stotterer zu überschießender Sprachproduktion, was zum "Verschlucken" von Lauten, Silben und Wörtern führen kann. Dies führt dazu, dass das Sprechen unüberlegt und unruhig wirkt. Polterer zeigen im Gegensatz zum Stotterer oft keinen Leidensdruck. Bei jüngeren Kindern wird zunächst, wenn Störungen in diesen Bereichen auftreten, am Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik, der Artikulation und am Kommunikationsverhalten gearbeitet . Auch mundmotorische Übungen und die Arbeit am deutlichen Sprechen können das Poltern verbessern. Bei älteren Kindern wird direkt am Sprechtempo gearbeitet und es findet eine direkte Korrektur der Poltersymptomatik statt.

Rhinophonie/Näseln

Bei der Rhinophonie ist der Stimmklang und die Artikulation gestört. Das Näseln wird  in offenes- und geschlossenes Näseln unterteilt. Beim offenen Näseln entweicht zu viel Luft bei der Bildung von Lauten, während beim geschlossenen Näseln keine Luft entweicht, sodass das Sprechen "verstopft" klingt.

Das Näseln kann organisch bedingt sein, z.B. durch Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder Tumore. Sie kann aber auch durch eine "nachlässige" Artikulation oder durch Nachahmung von falschen Sprechweisen entstehen.

In der Therapie werden Verfahren aus der Sprech- und Stimmtherapie angewandt.

Dysphonie

Siehe Dysphonie im Erwachsenenalter.